Von Krefeld – Für Krefeld ist eine Initiative Krefelder Persönlichkeiten. Die Initiative wurde im Jahr 2004 von dem damaligen Pinguine Spieler Martin Hyun ins Leben gerufen. Mitbegründer der Initiative sind die einstige Weltklasse Schwimmerin Anne Poleska, Welle Niederrhein Moderator Patrick Pöhler, die Stimme des König-Palasts Kristian Lach, der Kinderbuchautor Peter Lengwennings, der bekannte Filmproduzent Christian Becker und Simone Hyun. Die Arbeit der Initiative wird von Freunden und Gönnern unterstützt. In diesem Jahr waren der Olympionike Jochen Urban und Pinguine-Torwart Danijel Kovacic mit dabei.
Thursday, December 24, 2009
5 Jahre Von Krefeld - Für Krefeld Initiative
Von Krefeld – Für Krefeld ist eine Initiative Krefelder Persönlichkeiten. Die Initiative wurde im Jahr 2004 von dem damaligen Pinguine Spieler Martin Hyun ins Leben gerufen. Mitbegründer der Initiative sind die einstige Weltklasse Schwimmerin Anne Poleska, Welle Niederrhein Moderator Patrick Pöhler, die Stimme des König-Palasts Kristian Lach, der Kinderbuchautor Peter Lengwennings, der bekannte Filmproduzent Christian Becker und Simone Hyun. Die Arbeit der Initiative wird von Freunden und Gönnern unterstützt. In diesem Jahr waren der Olympionike Jochen Urban und Pinguine-Torwart Danijel Kovacic mit dabei.
Tuesday, December 08, 2009
Buch Neuerscheinung: Migranten in der deutschen Politik
von Marvin Oppong (Hrsg)
Die politische Partizipation von Migranten und Menschen mit Migrationshintergrund hat in den letzten Jahren zunehmend an Bedeutung gewonnen. Doch wo liegen die Fortschritte und wo gibt es Verbesserungsbedarf? In diesem Sammelband befassen sich 19 Politiker, Migrantenvertreter, Aktivisten und Autoren mit der Rolle von Menschen mit Migrationshintergrund in der Politik der Bundesrepblik. Dabei nehmen sie eine kritische Bestandsaufnahme der gegenwärtigen Repräsentation von Migranten in der deutschen Politiklandschaft vor. Ergänzt wird dies durch Vorschläge für eine bessere Einbindung dieser gesellschaftlichen Gruppe sowie durch Schilderungen persönlicher Erfahrungen. Die Themen der Beiträge reichen dabei vom Verhältnis zwischen Deutschen und Migranten über die Rolle der Medien bis zu Identitätsfragen und der Teilhabe junger Menschen mit Migrationshintergrund.
ISBN-10:3-531-17057-0 EAN:9783531170572
Veröffentlichungsdatum: April 2010 Einband:kartoniert/broschiert
Verlag:VS Verlag für Sozialwissenschaften
Seiten:220
Die politische Partizipation von Migranten und Menschen mit Migrationshintergrund hat in den letzten Jahren zunehmend an Bedeutung gewonnen. Doch wo liegen die Fortschritte und wo gibt es Verbesserungsbedarf? In diesem Sammelband befassen sich 19 Politiker, Migrantenvertreter, Aktivisten und Autoren mit der Rolle von Menschen mit Migrationshintergrund in der Politik der Bundesrepblik. Dabei nehmen sie eine kritische Bestandsaufnahme der gegenwärtigen Repräsentation von Migranten in der deutschen Politiklandschaft vor. Ergänzt wird dies durch Vorschläge für eine bessere Einbindung dieser gesellschaftlichen Gruppe sowie durch Schilderungen persönlicher Erfahrungen. Die Themen der Beiträge reichen dabei vom Verhältnis zwischen Deutschen und Migranten über die Rolle der Medien bis zu Identitätsfragen und der Teilhabe junger Menschen mit Migrationshintergrund.
ISBN-10:3-531-17057-0 EAN:9783531170572
Veröffentlichungsdatum: April 2010 Einband:kartoniert/broschiert
Verlag:VS Verlag für Sozialwissenschaften
Seiten:220
Wednesday, November 25, 2009
Leben nach dem Eishockey
Als ich vor 15 Jahren mit der U-16 Junioren Nationalmannschaft in New Brunswick, Kanada an einem Trainingscamp teilnahm, bekam ich als Gastgeschenk ein Buch überreicht. Das Buch trug den Titel „Life After Hockey (Leben nachdem Eishockey)“. Ein etwas seltsames Präsent für einen jungen Spieler dessen Karriere noch nicht angefangen hatte und dessen Gedanken fernab von dem Leben danach war. In dem Buch erzählen ehemalige Profi-Eishockeyspieler von ihren Erfahrungen mit dem Leben nach dem Eissport. Dabei verlaufen die Karrieren danach, oft, nach einem Muster. Nach Ende der aktiven Laufbahn fallen viele in ein tiefes Loch. Nicht mehr gebraucht zu werden, von heute auf morgen, keinen festen Wochenablauf mehr zu haben, war für viele nur schwer zu verkraften. Nur wenige hatten das Glück eine Anschlussbeschäftigung bei ihrem Verein oder einem Sponsor zu bekommen. Die Mehrheit ging leer aus und musste sich der realen Welt stellen. Viele der porträtierten Spieler ertränken dieses Gefühl der plötzlichen Bedeutungslosigkeit mit Alkohol, Spielsucht und Drogen. Der Absturz war vorprogrammiert. Nachdem man die Schlittschuhe an den berühmten Nagel hing hatte man keinen gesellschaftlichen Mehrwert mehr. Kein Hahn krähte mehr nach einem. Einst war man wer als Spieler, doch mit dem abstreifen des Trikots für immer, nahm man auch die Würde eines Spielers ab. In dem Buch schaffen es nur wenige sich selbst vom Alkohol- und Drogensumpf rauszuziehen um ihr Leben wieder auf die richtige Bahn zu bringen.
In einer Eishockeystadt, wie Krefeld kam ich ständig mit der Vergangenheit des Vereins in Berührung. Man erinnert sich schon lange nicht mehr an Namen wie Bernhard Peltzer, Hans-Georg Pescher, Erich Konecki, Karl Bierschel, Kurt Müller, Bruno Guttowski, Walter Schmiedinger, Heinz Dohr, Karl-Heinz Scholten, Wilhelm Moesgen, Heinz Wackers, Walter Kremershof, Rudi Weide, Herbert Schibukat, Paul Hotstegs, Thomas Jentges, Uli Wiefels, Ernst Sieburg oder Markus Pawelczyk? Nur eingefleischte Fans werden die Namen noch grob zuordnen können. Sie alle waren einst KEV-Spieler. Seit Jahrzehnten rufen die Fans ihre Namen nicht mehr. Man sagt Legenden sterben nie und das sie einfach, ganz langsam verblassen. Viele sind Krefeld verbunden geblieben auch wenn sie schon lange nicht mehr den Weg zum Eisstadion finden. Die einstige Heimat ist ihnen fremd geworden. Einige sind bereits verstorben, so etwa Paul Hotstegs und der einstige Nationalkeeper Uli Jansen. Für mich sind sie Krefelder Eishockeylegenden.
Einige sind unmittelbaren Nachbarn von mir. Etwa Ernst Sieburg, der von 1978 – 1981 für Krefeld spielte. Uli Wiefels (1978 – 1985), der heute ein erfolgreiches Brotgeschäft führt. Hin und wieder treffe ich Klaus Micheller (1991–1998) bei einem Sonntagsspaziergang an. An der Rheinstrasse, der Zentrale der Sparkasse sehe ich Markus Pawelczyk (1981 – 1987), der heute ein erfolgreicher Bankier ist. Wer ihnen ins Gesicht sieht, der hat die Vergangenheit vor Augen, die Siege und Niederlagen, die Triumphe. Meine Jugendtrainer waren Thomas Jentges (1978 – 1980), Thomas Mirwa (1980 – 1991), Uwe Schaub (1986 – 1990) und der viel zu früh verstorbene Lothar „Lola“ Kremershof. Als wäre es gestern gewesen, erinnere ich mich, wie Uwe Schaub 1986 sein Debüt im Krefelder Trikot gab und seine stolzen Schulkameraden ihn von der oberen Westtribüne anfeuerten. Ich erinnere mich an Wolfgang „Bobby“ Fischer, der nachdem Training noch stundenlang in der Kabine ein Dutzend Schläger zu Recht sägte um sie dem Trainer der Jugendmannschaft zu geben. Jeder Spieler konnte einen Schläger ergattern, in dem er eine Übung besonders gut machte. Welcher Profispieler macht das noch heutzutage? Ich erinnere mich an Uwe Fabig, der mich nach einem gewonnenen Spiel, auf den Schultern mit zur Ehrenrunde mitnahm. Heute führt Fabig ein erfolgreiches Glasunternehmen und ist Mitinitiator des Lothar-Kremershof-Cups. Der Erlös des Turniers geht an die Jugend des KEV. In dem Film Eiszeit sagt es Johnny Walker nicht treffender, in dem er sagt, dass es das Gefühl war in Krefeld zu spielen. Es ist das Gefühl, die Spieler, die den Verein zudem machten, was es heute ist, die mich in meinem Kindheitstraum bestärkt haben für den KEV zu spielen. Welch Krefelder Junge träumt nicht davon das schwarz-gelbe Trikot zu tragen. Seit ich mit fünf Jahren mit dem Eishockey in Krefeld anfing, war das auch mein Traum. Ein Traum, der es Wert war zu dem Zeitpunkt die Schule zu vernachlässigen.
Nach der Schule führte mein Weg sofort in den Keller. Ich streifte mir mein KEV-Trikot über und ahmte Spielszenen nach, oftmals ging es um die deutsche Meisterschaft. Die Szenen spielte ich stundenlang nach. Bei seinem Abschied 1985 aus Krefeld schenkte mir Ken Brown sein Trikot, mit der Rückennummer 5 und eine Flasche Rotwein. „Köpf die Flasche wenn Du selber eines Tages Profi wirst!“ meinte er. Ich hielt das Versprechen. Ken Brown war zwar aus dem Auge, aber nie aus dem Sinn. In der Saison 2004 rief ich Ken Brown an, der heute in Ottawa lebt und sagte ihm, dass ich seine Flasche Rotwein von 1985 geköpft habe. Als Karriere habe ich das nie empfunden sondern als Erfüllung eines Langgehegten Kindheitstraumes. Bis dahin war es noch ein langer Weg. Das der Traum wahr wurde habe ich auch dem ehemaligen Rekordnationalspieler Rüdiger Noack zu verdanken.
Den Traum in die Realität umzusetzen kostete viele Schweißtropfen. Von nichts kommt nichts. In den Ferien fuhren wir Tausende von Kilometern quer durch Europa, damit ich mich in Eishockey Schulen weiterentwickeln konnte. Beim alltäglichen Joggen fuhr Vater mit dem Fahrrad hinter mir her. Damit mein Antritt schneller wird ließ Vater mich alte Autoreifen ziehen. Er ließ mich Sprints laufen, bis ich meine körperlichen Grenzen spürte. Vor seiner Frühschicht weckte Vater mich auf um mit mir in die Rheinlandhalle zu fahren. Dort konnte ich immer das vom Vortag benutzte Eis nutzen, um meine Lauftechnik zu verbessern. Wenn mir der Po wehtat, weil ich wieder einmal hinfiel, nahm Vater mich auf seine Schultern und trug mich bis zur Mitte der Eisfläche, wo ich mich nirgendwo abstutzen konnte. Ich sollte es wieder versuchen, bis ich es schließlich schaffte.
Nachdem ich bereits mit 17 Jahren im Kader der Profimannschaft war, zog es mich ein Jahr später in die USA. Der Traum für Krefeld zu spielen rückte dadurch in weite Ferne, aber aufgegeben habe ich ihn nie. Ich wollte nicht voll auf diesen Kindheitstraum setzen. Das Leben eines Sportlers ist immer sehr kurz. Nur wenige haben solch ein Talent, das sie voll auf den Sport setzen können. Die Frage, was kommt danach, stellte ich mir deshalb schon sehr früh. Ich studierte, lernte in den USA, eine andere Welt kennen, und entwickelte mich im physischen aber auch im Geiste weiter. Vor allem aber lernte ich, dass man als Eishockeyspieler Verantwortung übernehmen muss, sich mehr als einen Sportler zu begreifen und sich darüber zu definieren. In der heutigen Welt kann man sich nicht nur als Profispieler beschränken. Man muss diese Zeit nutzen um in der Gemeinschaft, in der man lebt, das zurückzugeben, was der Sport einen ermöglicht hat. In den USA habe ich gelernt soziale Verantwortung zu übernehmen und das der Sport nicht alles im Leben ist. Der Sport kann allenfalls nur ein Instrument sein, guten zu tun, den Schwachen wieder auf die Beine zu helfen und den Kranken Mut zu machen. Daher habe ich 2004 eine Initiative mit Krefelder Persönlichkeiten und Freunde gegründet, die sich für krebskranke Kinder einsetzt.
Als ich 2005 mit dem Kapitel Eishockey, ein Schlussstrich zog, sagte mir Arno Brux (1989 – 1990), etwas, was ich bis heute nicht vergessen habe „Einmal Eishockey, immer Eishockey!“ Wenn der Sport über zwei Jahrzehnte der Mittelpunkt im Leben war, dann ist es naiv zu glauben, dass man von heute auf morgen für immer mit dem Eishockey abschließen kann. Es gibt kein wirkliches Leben danach und ohne Eishockey. Man wird daran scheitern, wenn man es versucht. Egal wie sehr man den Sport verflucht und sich von ihm distanziert, er bleibt wie eine lästige Klette an einem hängen. Vier Jahre sind vergangen. Ich habe mich mit meinem Leben nach dem Eishockey arrangiert und meinen Frieden gefunden. Den Weg zum Eisstadion habe ich in der Zeit dennoch so gut wie möglich vermieden. Als ich letztes Jahr nach Berlin zog, wollte ich fernab von jeglichen Eisstadien leben. Doch ganz in der Nähe meiner Wohnung, was ich als Neu-Berliner nicht ahnen konnte, hatte man die gigantische Multifunktionshalle O2 World Arena hingebaut. Dort spielen die Eisbären. Der Sport sucht einen immer wieder heim. Es hilft, wenn man mit Sachen weitermacht, an denen das Herz hängt. Wenn es die Zeit erlaubt gehe ich mit einer Berliner Amateurmannschaft aufs Eis. In Krefeld spiele ich ab und an bei den Big Old Boys, dem Traditionsteam aus ehemaligen KEV-Spielern mit. Bei den Big Old Boys fühle ich mich in meine Kindheit zurückversetzt. Vielen von den Spielern habe ich als Kind von der Tribüne aus zugesehen. Wenn ich mit ihnen spiele, dann wird mir wieder bewusst, dass ich ohne sie, meinen Kindheitstraum hätte nicht zum Leben bringen können. Es erfüllt mich mit großer Dankbarkeit. Ich bin mir auch sicher, dass es keinen Christian Erhoff gegeben hätte und keinen Adrian Grygiel und erst Recht keine deutsche Meisterschaft, die man im Jahr 2003 feiern konnte. Es sind zum Teil auch ihre Verdienste.
Thomas Morus sagte einmal: „Tradition ist nicht das Halten der Asche, sondern das Weitergeben der Flamme.“ Diese Flamme haben sie der aufstrebenden Jugend weitergeben und so unbewusst, für jene den die Flamme zuteil wurde, die Erlaubnis geben das gleiche zu tun. Es mag politisch klingen. Aber in einer immer schneller werdenden Welt, wo vielmehr ins bodenlose abstürzen, als aufsteigen und das erinnern immer schwieriger wird, ist es wichtig eine Kultur des Erinnerns zu bewahren. Eine Kultur des Bekennens und Besinnens, eine Kultur der Würdigung. Dass es geht habe ich bei einem Spiel der Montreal Canadiens in Kanada erlebt. Ich war tief bewegt, als man einen ehemaligen Spieler mit Standing Ovation begrüßte und Bilder aus seinen alten Tagen an der Leinwand zeigten. Das erzeugt dieses besondere Gefühl, die Johnny Walker so schön beschreibt. Man lässt nicht zu das Legenden, die für den Sport und der Stadt große Dienste erwiesen haben einfach so verblassen und aus dem Gedächtnis der Menschen verschwinden. Die Blässe wird wieder mit Leben gefüllt.
In einer Eishockeystadt, wie Krefeld kam ich ständig mit der Vergangenheit des Vereins in Berührung. Man erinnert sich schon lange nicht mehr an Namen wie Bernhard Peltzer, Hans-Georg Pescher, Erich Konecki, Karl Bierschel, Kurt Müller, Bruno Guttowski, Walter Schmiedinger, Heinz Dohr, Karl-Heinz Scholten, Wilhelm Moesgen, Heinz Wackers, Walter Kremershof, Rudi Weide, Herbert Schibukat, Paul Hotstegs, Thomas Jentges, Uli Wiefels, Ernst Sieburg oder Markus Pawelczyk? Nur eingefleischte Fans werden die Namen noch grob zuordnen können. Sie alle waren einst KEV-Spieler. Seit Jahrzehnten rufen die Fans ihre Namen nicht mehr. Man sagt Legenden sterben nie und das sie einfach, ganz langsam verblassen. Viele sind Krefeld verbunden geblieben auch wenn sie schon lange nicht mehr den Weg zum Eisstadion finden. Die einstige Heimat ist ihnen fremd geworden. Einige sind bereits verstorben, so etwa Paul Hotstegs und der einstige Nationalkeeper Uli Jansen. Für mich sind sie Krefelder Eishockeylegenden.
Einige sind unmittelbaren Nachbarn von mir. Etwa Ernst Sieburg, der von 1978 – 1981 für Krefeld spielte. Uli Wiefels (1978 – 1985), der heute ein erfolgreiches Brotgeschäft führt. Hin und wieder treffe ich Klaus Micheller (1991–1998) bei einem Sonntagsspaziergang an. An der Rheinstrasse, der Zentrale der Sparkasse sehe ich Markus Pawelczyk (1981 – 1987), der heute ein erfolgreicher Bankier ist. Wer ihnen ins Gesicht sieht, der hat die Vergangenheit vor Augen, die Siege und Niederlagen, die Triumphe. Meine Jugendtrainer waren Thomas Jentges (1978 – 1980), Thomas Mirwa (1980 – 1991), Uwe Schaub (1986 – 1990) und der viel zu früh verstorbene Lothar „Lola“ Kremershof. Als wäre es gestern gewesen, erinnere ich mich, wie Uwe Schaub 1986 sein Debüt im Krefelder Trikot gab und seine stolzen Schulkameraden ihn von der oberen Westtribüne anfeuerten. Ich erinnere mich an Wolfgang „Bobby“ Fischer, der nachdem Training noch stundenlang in der Kabine ein Dutzend Schläger zu Recht sägte um sie dem Trainer der Jugendmannschaft zu geben. Jeder Spieler konnte einen Schläger ergattern, in dem er eine Übung besonders gut machte. Welcher Profispieler macht das noch heutzutage? Ich erinnere mich an Uwe Fabig, der mich nach einem gewonnenen Spiel, auf den Schultern mit zur Ehrenrunde mitnahm. Heute führt Fabig ein erfolgreiches Glasunternehmen und ist Mitinitiator des Lothar-Kremershof-Cups. Der Erlös des Turniers geht an die Jugend des KEV. In dem Film Eiszeit sagt es Johnny Walker nicht treffender, in dem er sagt, dass es das Gefühl war in Krefeld zu spielen. Es ist das Gefühl, die Spieler, die den Verein zudem machten, was es heute ist, die mich in meinem Kindheitstraum bestärkt haben für den KEV zu spielen. Welch Krefelder Junge träumt nicht davon das schwarz-gelbe Trikot zu tragen. Seit ich mit fünf Jahren mit dem Eishockey in Krefeld anfing, war das auch mein Traum. Ein Traum, der es Wert war zu dem Zeitpunkt die Schule zu vernachlässigen.
Nach der Schule führte mein Weg sofort in den Keller. Ich streifte mir mein KEV-Trikot über und ahmte Spielszenen nach, oftmals ging es um die deutsche Meisterschaft. Die Szenen spielte ich stundenlang nach. Bei seinem Abschied 1985 aus Krefeld schenkte mir Ken Brown sein Trikot, mit der Rückennummer 5 und eine Flasche Rotwein. „Köpf die Flasche wenn Du selber eines Tages Profi wirst!“ meinte er. Ich hielt das Versprechen. Ken Brown war zwar aus dem Auge, aber nie aus dem Sinn. In der Saison 2004 rief ich Ken Brown an, der heute in Ottawa lebt und sagte ihm, dass ich seine Flasche Rotwein von 1985 geköpft habe. Als Karriere habe ich das nie empfunden sondern als Erfüllung eines Langgehegten Kindheitstraumes. Bis dahin war es noch ein langer Weg. Das der Traum wahr wurde habe ich auch dem ehemaligen Rekordnationalspieler Rüdiger Noack zu verdanken.
Den Traum in die Realität umzusetzen kostete viele Schweißtropfen. Von nichts kommt nichts. In den Ferien fuhren wir Tausende von Kilometern quer durch Europa, damit ich mich in Eishockey Schulen weiterentwickeln konnte. Beim alltäglichen Joggen fuhr Vater mit dem Fahrrad hinter mir her. Damit mein Antritt schneller wird ließ Vater mich alte Autoreifen ziehen. Er ließ mich Sprints laufen, bis ich meine körperlichen Grenzen spürte. Vor seiner Frühschicht weckte Vater mich auf um mit mir in die Rheinlandhalle zu fahren. Dort konnte ich immer das vom Vortag benutzte Eis nutzen, um meine Lauftechnik zu verbessern. Wenn mir der Po wehtat, weil ich wieder einmal hinfiel, nahm Vater mich auf seine Schultern und trug mich bis zur Mitte der Eisfläche, wo ich mich nirgendwo abstutzen konnte. Ich sollte es wieder versuchen, bis ich es schließlich schaffte.
Nachdem ich bereits mit 17 Jahren im Kader der Profimannschaft war, zog es mich ein Jahr später in die USA. Der Traum für Krefeld zu spielen rückte dadurch in weite Ferne, aber aufgegeben habe ich ihn nie. Ich wollte nicht voll auf diesen Kindheitstraum setzen. Das Leben eines Sportlers ist immer sehr kurz. Nur wenige haben solch ein Talent, das sie voll auf den Sport setzen können. Die Frage, was kommt danach, stellte ich mir deshalb schon sehr früh. Ich studierte, lernte in den USA, eine andere Welt kennen, und entwickelte mich im physischen aber auch im Geiste weiter. Vor allem aber lernte ich, dass man als Eishockeyspieler Verantwortung übernehmen muss, sich mehr als einen Sportler zu begreifen und sich darüber zu definieren. In der heutigen Welt kann man sich nicht nur als Profispieler beschränken. Man muss diese Zeit nutzen um in der Gemeinschaft, in der man lebt, das zurückzugeben, was der Sport einen ermöglicht hat. In den USA habe ich gelernt soziale Verantwortung zu übernehmen und das der Sport nicht alles im Leben ist. Der Sport kann allenfalls nur ein Instrument sein, guten zu tun, den Schwachen wieder auf die Beine zu helfen und den Kranken Mut zu machen. Daher habe ich 2004 eine Initiative mit Krefelder Persönlichkeiten und Freunde gegründet, die sich für krebskranke Kinder einsetzt.
Als ich 2005 mit dem Kapitel Eishockey, ein Schlussstrich zog, sagte mir Arno Brux (1989 – 1990), etwas, was ich bis heute nicht vergessen habe „Einmal Eishockey, immer Eishockey!“ Wenn der Sport über zwei Jahrzehnte der Mittelpunkt im Leben war, dann ist es naiv zu glauben, dass man von heute auf morgen für immer mit dem Eishockey abschließen kann. Es gibt kein wirkliches Leben danach und ohne Eishockey. Man wird daran scheitern, wenn man es versucht. Egal wie sehr man den Sport verflucht und sich von ihm distanziert, er bleibt wie eine lästige Klette an einem hängen. Vier Jahre sind vergangen. Ich habe mich mit meinem Leben nach dem Eishockey arrangiert und meinen Frieden gefunden. Den Weg zum Eisstadion habe ich in der Zeit dennoch so gut wie möglich vermieden. Als ich letztes Jahr nach Berlin zog, wollte ich fernab von jeglichen Eisstadien leben. Doch ganz in der Nähe meiner Wohnung, was ich als Neu-Berliner nicht ahnen konnte, hatte man die gigantische Multifunktionshalle O2 World Arena hingebaut. Dort spielen die Eisbären. Der Sport sucht einen immer wieder heim. Es hilft, wenn man mit Sachen weitermacht, an denen das Herz hängt. Wenn es die Zeit erlaubt gehe ich mit einer Berliner Amateurmannschaft aufs Eis. In Krefeld spiele ich ab und an bei den Big Old Boys, dem Traditionsteam aus ehemaligen KEV-Spielern mit. Bei den Big Old Boys fühle ich mich in meine Kindheit zurückversetzt. Vielen von den Spielern habe ich als Kind von der Tribüne aus zugesehen. Wenn ich mit ihnen spiele, dann wird mir wieder bewusst, dass ich ohne sie, meinen Kindheitstraum hätte nicht zum Leben bringen können. Es erfüllt mich mit großer Dankbarkeit. Ich bin mir auch sicher, dass es keinen Christian Erhoff gegeben hätte und keinen Adrian Grygiel und erst Recht keine deutsche Meisterschaft, die man im Jahr 2003 feiern konnte. Es sind zum Teil auch ihre Verdienste.
Thomas Morus sagte einmal: „Tradition ist nicht das Halten der Asche, sondern das Weitergeben der Flamme.“ Diese Flamme haben sie der aufstrebenden Jugend weitergeben und so unbewusst, für jene den die Flamme zuteil wurde, die Erlaubnis geben das gleiche zu tun. Es mag politisch klingen. Aber in einer immer schneller werdenden Welt, wo vielmehr ins bodenlose abstürzen, als aufsteigen und das erinnern immer schwieriger wird, ist es wichtig eine Kultur des Erinnerns zu bewahren. Eine Kultur des Bekennens und Besinnens, eine Kultur der Würdigung. Dass es geht habe ich bei einem Spiel der Montreal Canadiens in Kanada erlebt. Ich war tief bewegt, als man einen ehemaligen Spieler mit Standing Ovation begrüßte und Bilder aus seinen alten Tagen an der Leinwand zeigten. Das erzeugt dieses besondere Gefühl, die Johnny Walker so schön beschreibt. Man lässt nicht zu das Legenden, die für den Sport und der Stadt große Dienste erwiesen haben einfach so verblassen und aus dem Gedächtnis der Menschen verschwinden. Die Blässe wird wieder mit Leben gefüllt.
Thursday, October 29, 2009
Mehr Migranten in den Öffentlichen Dienst

Gütersloh, 28.10.2009
Junge Migranten stellen neun Eckpunkte für eine gelungene Integration vor Angebote zur Sprachförderung können bei Integration und Bildung von Eltern und Kindern mit Migrationshintergrund helfen. Was braucht eine gelungene Integration von Migranten in Deutschland - vorausgesetzt man will sie? Junge Führungskräfte aus Migrantenorganisationen, die im bundesweiten Netzwerk "Brückenbauer für Deutschland" zusammengeschlossen sind, haben jetzt neun Eckpunkte vorgestellt, die ein modernes Staatsbürgerschaftsrecht, gute Bildung für "Jedermann", bessere Beteiligungsmöglichkeiten für Zuwanderer in Politik und Verwaltung, Gleichstellung der Religionen und die Förderung von schutzbedürftigen Migranten vorsehen.
In ihrem Konzept bezeichnen sie die Möglichkeit, politisch, sozial, beruflich und kulturell an der Gesellschaft teilzuhaben als wichtige Rahmenbedingung für Integrationsprozesse. Auf der einen Seite werde Bildung als eines der höchsten Güter in der Gesellschaft angesehen, der Bildungserfolg in Deutschland andererseits aber stark durch die soziale Herkunft bestimmt. Besonders schlecht sei es um Jugendliche mit Migrationshintergrund bestellt. Flächendeckende und kostenlose Angebote beispielsweise zur Sprachbildung für Eltern könnten hier helfen. Aber auch diejenigen, die zwar einen qualifizierten in Deutschland nicht anerkannten Ausbildungs-Abschluss vorweisen, haben es oft nicht leicht. Trotz Promotion müssen sich viele mit Ein-Euro-Jobs über Wasser halten, da sie hierzulande als ungelernte Arbeitskräfte gelten. Eine Vereinheitlichung der Anerkennungsverfahren könnte die Lösung des Problems sein.
Zukünftig werden Migranten als aktive oder passive Mitgestalter deutscher Politik immer wichtiger, zumal die Zahl der seit den 90er-Jahren eingebürgerten Wählerinnen und Wähler stetig größer wird. Das Manifest kritisiert vor diesem Hintergrund die geringe Repräsentanz von Migranten im Öffentlichen Dienst, die mittlerweile den Querschnitt der Bevölkerung nicht mehr widerspiegele. Daher wird die Einführung einer Migrantenquote im Öffentlichen Dienst gefordert. Das deutsche Staatsangehörigkeitsrecht entspricht zu wenig den Realitäten eines Einwanderungslandes, so das Netzwerk, und sei deshalb dringend modernisierungsbedürftig. Deutschland gehört nach wie vor zu den wenigen europäischen Ländern, die eine doppelte Staatsbürgerschaft nur im Ausnahmefall vorsehen. Damit jedoch könnten Menschen mit Migrationshintergrund stärker in die Gesellschaft eingebunden werden.
Das Netzwerk "Brückenbauer für Deutschland" ist aus dem Leadership-Programm der Bertelsmann Stiftung für junge Führungskräfte aus Migrantenorganisationen unter der Schirmherrschaft von Prof. Rita Süssmuth entstanden. Das Leadership-Programm der Bertelsmann Stiftung qualifiziert und vernetzt junge Verantwortungsträger aus Zuwanderervereinigungen, die sich bundes-, landesweit oder regional für Integration engagieren. Es will ihre individuellen Handlungskompetenzen stärken und unterstützt zugleich Migrantenorganisationen, die über ihre jungen Führungskräfte in ein Netzwerk zur Stärkung der Bemühungen um Integration eingebunden sind.
Weitere Informationen finden Sie im Internet auf unserer Projekt-Website. Das Manifest steht Ihnen als Download zur Verfügung.
Quelle: http://www.bertelsmann-stiftung.de/cps/rde/xchg/bst/hs.xsl/nachrichten_98320.htm
Sunday, October 18, 2009
“Always Having To Perform Twice as Well” – Interview with Martin Hyun
“Lautlos – ja, sprachlos – nein”– this is the title of a book (in English: Silent –YES, Speechless - NO) about the integration of Korean guest-workers in Germany that is equally as moving as it is informative. It is the highly acclaimed debut work of Martin Hyun. This is an interview with this 30-year-old son of immigrants. He is the one who for the first time has given voice to the feelings of these wanderers between the two worlds of Korea and Germany who tend to have been somewhat overlooked by society due to their inconspicuousness.
Mr Hyun, you are considered to be a role model in Germany, proving that not all immigrant children miss out on opportunities. Your career as an ice-hockey pro in the German league, your academic education and not least all the committed, voluntary work you do in the field of social and political matters. Do you then see yourself as a role model?
My life so far has been too insignificant and my contribution to society too small for accolades like that. One thing is true though - doors did not open that fast for me, neither in the realm of sport nor in my education. I always had to perform twice as well in order to make the grade. The fact that I did not get left behind I owe to my parents who would have given the shirt off their backs for my career. And – St. Michael’s University in Vermont that granted me a partial scholarship despite the fact that I am not an American citizen.
Don’t start anything you can’t finish
My father taught me at a very early age not to start anything you cannot finish. My parents were also very keen on me developing some form of social awareness – helping those people who have not been dealt such a good deal in life. This is what prompted me to start the mentoring project along with some friends in my hometown of Krefeld – a project that strives to give new perspectives to young people from a disadvantaged social milieu. The problem is that Germany is still far removed from being able to provide adequate opportunities for the growing number of people with an immigrant background.
The Korean community in Germany is considered to be the perfect example of successful integration. Why is that so?
That is only true in part, for example, when it comes to linguistic competence, education and qualifications. Many young people might well have a German passport, but that does not automatically turn them into fully fledged Germans. It is not so easy for Asians to brush the external physical features of their origins under the carpet. According to surveys their above-average integration can be put down to an allegedly active contact with Germans. This also includes the relationships that many Asian women have with German men.
I think we can only really start talking about successful integration when free access to all sectors of society is guaranteed. Including politics and business, and here I mean the top positions in the political parties, as well as at the top companies on the DAX, the German stock exchange. Maybe we will even have a Ministry for Integration one day with highly qualified people from an immigration background working in it. Up to now in those areas where integration is of the utmost urgency, there is unfortunately hardly any noticeable evidence of the much publicised diversity.
Very little is known about the reasons for Koreans emigrating to Germany, can you give us some information on the background and circumstances. What, for example, brought your parents to Germany?
After decades of Japanese occupation and in the wake of the Korean War the country was impoverished and politically unstable. Germany was looking for guest-workers for hospitals and for the coal mining sector and that is why it signed a recruitment agreement with Korea at the time of Park Chung-Hee’s military dictatorship. Between 1963 and 1977 about 20,000 workers emigrated to Germany, among them many unemployed academics. After the death of his father in the war my father was unable to study at university as money was short. That is why, when he came out of the army, he followed the call to go and work in the coal mines of Germany. My mother’s father was deported to North Korea in the war and never seen again – a victim of the North’s attempt to drain the South of its intelligentsia. My mother had been imbibed with the Confucian responsibility ethic and this is why she went to Germany to work as a nurse so she could support her family back home and it was there she met my father.
Do you yourself have any connections with your parents’ home country?
Since 2002 I have been regularly flying back to the place where the rest of my family lives. Somehow I need the hectic lifestyle, the noise and smog of Seoul in order to recharge my batteries. After my stint on the pro circuit I even lived there for a year. I was a Visiting Fellow in the Korean National Assembly and worked in the Ministry of Health. I have to go back to stay in touch with the friends I made in that period.
The usual stereotypes
Do Asians, like the Koreans living here in Germany, have to deal with any special forms of resentment and have you, personally, had any bad experiences?
Apart from the usual stereotype thinking, hardly any. Although sometimes, when I applied for positions in the public service sector, my loyalty to Germany was questioned and any possible conflicts of interest were discussed. I am referring here to the interviews I had for a UN post in the field of sport and development and for the Deutsche Olympische Sportbund (German Olympic Sports Confederation). I have however been spared experiences like what happened in Rostock when people applauded the torching of a Vietnamese refugee hostel. Nevertheless it is not without reason that highly qualified German-Koreans either end up working for Korean companies in Germany or they emigrate to Korea. They have no other choice.
What actually motivated you to write your book?
“My” primary aim was to give German-Koreans the attention they deserve. It was particularly telling, for example, that pressure was necessary at first to make sure that Koreans were invited to take part in the integration summit conference – they simply forgot about them the first two times the event was held. Otherwise I wanted to show that integration demands a willingness to make sacrifices and that there are German-Koreans here in Germany who want to take responsibility and to help shape the country. At the moment by the way I am working on my second book. I have given it the significant title Machtlos – Ja, Wahllos – Nein (in English: Powerless –yes, but not without a choice).
Roland Detsch
conducted the interveiw. He is a free-lance editor, journalist and author in Landshut and Munich.
Translation: Paul McCarthy
Copyright: Goethe-Institut e. V., Online-Redaktion
September 2009
Mr Hyun, you are considered to be a role model in Germany, proving that not all immigrant children miss out on opportunities. Your career as an ice-hockey pro in the German league, your academic education and not least all the committed, voluntary work you do in the field of social and political matters. Do you then see yourself as a role model?
My life so far has been too insignificant and my contribution to society too small for accolades like that. One thing is true though - doors did not open that fast for me, neither in the realm of sport nor in my education. I always had to perform twice as well in order to make the grade. The fact that I did not get left behind I owe to my parents who would have given the shirt off their backs for my career. And – St. Michael’s University in Vermont that granted me a partial scholarship despite the fact that I am not an American citizen.
Don’t start anything you can’t finish
My father taught me at a very early age not to start anything you cannot finish. My parents were also very keen on me developing some form of social awareness – helping those people who have not been dealt such a good deal in life. This is what prompted me to start the mentoring project along with some friends in my hometown of Krefeld – a project that strives to give new perspectives to young people from a disadvantaged social milieu. The problem is that Germany is still far removed from being able to provide adequate opportunities for the growing number of people with an immigrant background.
The Korean community in Germany is considered to be the perfect example of successful integration. Why is that so?
That is only true in part, for example, when it comes to linguistic competence, education and qualifications. Many young people might well have a German passport, but that does not automatically turn them into fully fledged Germans. It is not so easy for Asians to brush the external physical features of their origins under the carpet. According to surveys their above-average integration can be put down to an allegedly active contact with Germans. This also includes the relationships that many Asian women have with German men.
I think we can only really start talking about successful integration when free access to all sectors of society is guaranteed. Including politics and business, and here I mean the top positions in the political parties, as well as at the top companies on the DAX, the German stock exchange. Maybe we will even have a Ministry for Integration one day with highly qualified people from an immigration background working in it. Up to now in those areas where integration is of the utmost urgency, there is unfortunately hardly any noticeable evidence of the much publicised diversity.
Very little is known about the reasons for Koreans emigrating to Germany, can you give us some information on the background and circumstances. What, for example, brought your parents to Germany?
After decades of Japanese occupation and in the wake of the Korean War the country was impoverished and politically unstable. Germany was looking for guest-workers for hospitals and for the coal mining sector and that is why it signed a recruitment agreement with Korea at the time of Park Chung-Hee’s military dictatorship. Between 1963 and 1977 about 20,000 workers emigrated to Germany, among them many unemployed academics. After the death of his father in the war my father was unable to study at university as money was short. That is why, when he came out of the army, he followed the call to go and work in the coal mines of Germany. My mother’s father was deported to North Korea in the war and never seen again – a victim of the North’s attempt to drain the South of its intelligentsia. My mother had been imbibed with the Confucian responsibility ethic and this is why she went to Germany to work as a nurse so she could support her family back home and it was there she met my father.
Do you yourself have any connections with your parents’ home country?
Since 2002 I have been regularly flying back to the place where the rest of my family lives. Somehow I need the hectic lifestyle, the noise and smog of Seoul in order to recharge my batteries. After my stint on the pro circuit I even lived there for a year. I was a Visiting Fellow in the Korean National Assembly and worked in the Ministry of Health. I have to go back to stay in touch with the friends I made in that period.
The usual stereotypes
Do Asians, like the Koreans living here in Germany, have to deal with any special forms of resentment and have you, personally, had any bad experiences?
Apart from the usual stereotype thinking, hardly any. Although sometimes, when I applied for positions in the public service sector, my loyalty to Germany was questioned and any possible conflicts of interest were discussed. I am referring here to the interviews I had for a UN post in the field of sport and development and for the Deutsche Olympische Sportbund (German Olympic Sports Confederation). I have however been spared experiences like what happened in Rostock when people applauded the torching of a Vietnamese refugee hostel. Nevertheless it is not without reason that highly qualified German-Koreans either end up working for Korean companies in Germany or they emigrate to Korea. They have no other choice.
What actually motivated you to write your book?
“My” primary aim was to give German-Koreans the attention they deserve. It was particularly telling, for example, that pressure was necessary at first to make sure that Koreans were invited to take part in the integration summit conference – they simply forgot about them the first two times the event was held. Otherwise I wanted to show that integration demands a willingness to make sacrifices and that there are German-Koreans here in Germany who want to take responsibility and to help shape the country. At the moment by the way I am working on my second book. I have given it the significant title Machtlos – Ja, Wahllos – Nein (in English: Powerless –yes, but not without a choice).
Roland Detsch
conducted the interveiw. He is a free-lance editor, journalist and author in Landshut and Munich.
Translation: Paul McCarthy
Copyright: Goethe-Institut e. V., Online-Redaktion
September 2009
Thursday, October 01, 2009
Goethe-Institut Interview: „Stets doppelte Leistung bringen“ – Interview mit Martin Hyun
„Lautlos – ja, sprachlos – nein“ lautet der Titel eines ebenso anrührenden wie informativen Buches über die Integrationsgeschichte der koreanischen Gastarbeiter in Deutschland. Es handelt sich um das viel gelobte Erstlingswerk von Martin Hyun. Ein Gespräch mit dem dreißigjährigen Einwanderersohn, der den wegen ihrer Unauffälligkeit gern übersehenen Grenzgängern zwischen Korea und Deutschland erstmals eine Stimme verliehen hat.
Herr Hyun, Sie gelten als Beispiel dafür, dass in Deutschland Migrantenkinder doch nicht so chancenlos sind: Ihre Karriere als Profi in der Deutschen Eishockeyliga, Ihre akademische Bildung und nicht zuletzt Ihr ehrenamtliches soziales und politisches Engagement. Würden Sie sich als Vorbild sehen?
Dafür war mein bisheriges Leben zu unbedeutend und mein gesellschaftlicher Beitrag zu gering. Wahr ist aber, dass mir nicht so leicht die Türen geöffnet wurden, weder im Sport, noch bei meiner Ausbildung. Stets musste ich doppelte Leistung bringen, um zu bestehen. Dass ich nicht auf der Strecke geblieben bin, verdanke ich meinen Eltern, die ihr letztes Hemd für meine Karriere gegeben hätten. Und der Universität St. Michael’s in Vermont, die mir ein Teilstipendium gewährte, obwohl ich nicht amerikanischer Staatsbürger bin.
Zu Ende bringen, was man anfängt
Mein Vater hat mich früh gelehrt, zu Ende zu bringen, was man anfängt. Und auch die Bereitschaft zum sozialen Engagement für diejenigen, denen es nicht so gut geht, haben mir meine Eltern beigebracht. So habe ich beispielsweise in meiner Heimatstadt Krefeld mit Freunden ein Mentoring-Projekt ins Leben gerufen, das Jugendlichen aus sozialen Brennpunkten Perspektiven aufzeigen soll. Denn Deutschland ist noch immer weit entfernt davon, der wachsenden Zahl von Menschen mit Migrationshintergrund ausreichend Chancen zu bieten.
Die koreanische Gemeinde in Deutschland gilt als Muster für eine gelungene Integration. Woran liegt das?
Das stimmt nur bedingt. Etwa wenn es um Sprachkompetenz, Bildung und Qualifikation geht: Viele Junge haben auch den deutschen Pass. Aber das macht sie noch lange nicht zu anerkannten Deutschen. Die äußerlichen Merkmale der Herkunft lassen sich bei Asiaten nicht so leicht wegwischen. Ihre überdurchschnittliche Integration wird Studien zufolge auf angeblich rege Kontakte mit einheimischen Deutschen zurückgeführt. Worunter freilich auch die Beziehungen vieler asiatischer Frauen mit deutschen Männern fallen.
Ich denke, dass man von erfolgreicher Integration erst bei rundum freiem Zugang zu allen Bereichen der Gesellschaft sprechen kann. Einschließlich Politik und Wirtschaft, und damit meine ich auch die Spitzen der Parteien und DAX-Unternehmen. Vielleicht wird ja auch endlich ein Ministerium für Integration geschaffen und hoffentlich mit qualifizierten Mitarbeitern mit Migrationshintergrund. Denn bis jetzt ist gerade dort, wo Integration am heftigsten gefordert wird, von der propagierten Vielfalt am allerwenigsten zu spüren.
Können sie einmal Hintergründe und Umstände der weitgehend unbekannten koreanischen Migration nach Deutschland skizzieren. Was hat beispielsweise Ihre Eltern hierher geführt?
Korea war nach Jahrzehnten japanischer Besatzung und infolge des Korea-Kriegs verarmt und politisch instabil. Auf der Suche nach Gastarbeitern für Krankenhäuser und den Kohlebergbau schloss Deutschland zur Zeit der Militärdiktatur von Park Chung-hee einen Anwerbevertrag mit Südkorea, der von 1963 bis 1977 rund 20.000 Arbeitsemigranten anlockte, darunter auch viele arbeitslose Akademiker. Meinem Vater blieb nach dem Tod seines Vaters im Krieg ein Studium aus Geldmangel verwehrt. So folgte er nach seinem Ausscheiden aus der Armee dem Aufruf zur Arbeit im Bergbau nach Deutschland. Der Vater meiner Mutter wurde im Krieg von den Nordkoreanern, die den Süden seiner Intelligenz berauben wollten, auf Nimmerwiedersehen deportiert. Und so führte das konfuzianische Verantwortungsgefühl zur Unterstützung der Familie meine Mutter als Krankenschwester nach Deutschland, wo sie dann meinen Vater kennenlernte.
Pflegen Sie selbst eigentlich Verbindungen ins Heimatland Ihrer Eltern?
Seit 2002 fliege ich regelmäßig dort hin, wo der Rest der Familie lebt. Irgendwie brauche ich die Hektik, den Lärm und den Smog Seouls, um meine Batterien wieder aufzuladen. Nach meiner Zeit als Profisportler habe ich sogar ein Jahr lang dort gelebt. Ich war Visiting Fellow im koreanischen Parlament und habe im Gesundheitsministerium gearbeitet. Und die Freundschaften von damals müssen gepflegt werden.
Haben Asiaten wie die Koreaner hierzulande unter speziellen Ressentiments zu leiden, und haben Sie persönlich schon schlechte Erfahrungen machen müssen?
Bis auf die gängigen Stereotypen kaum. Abgesehen davon, dass bei Bewerbungen für öffentliche Ämter schon mal meine Loyalität zu Deutschland infrage gestellt und mögliche Interessenkonflikte thematisiert wurden. Ich spiele dabei auf meine Vorstellungsgespräche für einen UN-Posten für Sport und Entwicklung und für den Deutschen Olympischen Sportbund an. Aber Erfahrungen wie in Rostock, wo unter Beifall ein vietnamesisches Flüchtlingsheim niedergebrannt wurde, blieben mir erspart. Dennoch arbeiten vor allem hoch qualifizierte Deutsch-Koreaner hierzulande nicht umsonst entweder für koreanische Unternehmen oder wandern nach Korea aus. Sie haben gar keine andere Wahl.
Was hat Sie eigentlich dazu bewogen, Ihr Buch zu schreiben?
Ich wollte in erster Linie den Deutsch-Koreanern die ihnen gebührende Aufmerksamkeit verschaffen. Bezeichnenderweise war erst Druck nötig, damit auch Koreaner zur Teilnahme am dritten Integrationsgipfel eingeladen wurden, nachdem man sie zuvor zweimal schlicht vergessen hatte. Ansonsten wollte ich zeigen, dass Integration Aufopferungsbereitschaft erfordert und dass es auch Deutsch-Koreaner gibt, die in diesem Land Verantwortung übernehmen und mitgestalten wollen. Zurzeit arbeite ich übrigens an meinem zweiten Buch. Es soll den bezeichnenden Titel Machtlos – ja, Wahllos – nein tragen.
Roland Detsch stellte die Fragen. Er arbeitet als freier Redakteur, Journalist und Autor in Landshut und München.
Copyright: Goethe-Institut e. V., Online-Redaktion
September 2009
Quelle: http://www.goethe.de/ges/pok/thm/mui/de5045380.htm
Herr Hyun, Sie gelten als Beispiel dafür, dass in Deutschland Migrantenkinder doch nicht so chancenlos sind: Ihre Karriere als Profi in der Deutschen Eishockeyliga, Ihre akademische Bildung und nicht zuletzt Ihr ehrenamtliches soziales und politisches Engagement. Würden Sie sich als Vorbild sehen?
Dafür war mein bisheriges Leben zu unbedeutend und mein gesellschaftlicher Beitrag zu gering. Wahr ist aber, dass mir nicht so leicht die Türen geöffnet wurden, weder im Sport, noch bei meiner Ausbildung. Stets musste ich doppelte Leistung bringen, um zu bestehen. Dass ich nicht auf der Strecke geblieben bin, verdanke ich meinen Eltern, die ihr letztes Hemd für meine Karriere gegeben hätten. Und der Universität St. Michael’s in Vermont, die mir ein Teilstipendium gewährte, obwohl ich nicht amerikanischer Staatsbürger bin.
Zu Ende bringen, was man anfängt
Mein Vater hat mich früh gelehrt, zu Ende zu bringen, was man anfängt. Und auch die Bereitschaft zum sozialen Engagement für diejenigen, denen es nicht so gut geht, haben mir meine Eltern beigebracht. So habe ich beispielsweise in meiner Heimatstadt Krefeld mit Freunden ein Mentoring-Projekt ins Leben gerufen, das Jugendlichen aus sozialen Brennpunkten Perspektiven aufzeigen soll. Denn Deutschland ist noch immer weit entfernt davon, der wachsenden Zahl von Menschen mit Migrationshintergrund ausreichend Chancen zu bieten.
Die koreanische Gemeinde in Deutschland gilt als Muster für eine gelungene Integration. Woran liegt das?
Das stimmt nur bedingt. Etwa wenn es um Sprachkompetenz, Bildung und Qualifikation geht: Viele Junge haben auch den deutschen Pass. Aber das macht sie noch lange nicht zu anerkannten Deutschen. Die äußerlichen Merkmale der Herkunft lassen sich bei Asiaten nicht so leicht wegwischen. Ihre überdurchschnittliche Integration wird Studien zufolge auf angeblich rege Kontakte mit einheimischen Deutschen zurückgeführt. Worunter freilich auch die Beziehungen vieler asiatischer Frauen mit deutschen Männern fallen.
Ich denke, dass man von erfolgreicher Integration erst bei rundum freiem Zugang zu allen Bereichen der Gesellschaft sprechen kann. Einschließlich Politik und Wirtschaft, und damit meine ich auch die Spitzen der Parteien und DAX-Unternehmen. Vielleicht wird ja auch endlich ein Ministerium für Integration geschaffen und hoffentlich mit qualifizierten Mitarbeitern mit Migrationshintergrund. Denn bis jetzt ist gerade dort, wo Integration am heftigsten gefordert wird, von der propagierten Vielfalt am allerwenigsten zu spüren.
Können sie einmal Hintergründe und Umstände der weitgehend unbekannten koreanischen Migration nach Deutschland skizzieren. Was hat beispielsweise Ihre Eltern hierher geführt?
Korea war nach Jahrzehnten japanischer Besatzung und infolge des Korea-Kriegs verarmt und politisch instabil. Auf der Suche nach Gastarbeitern für Krankenhäuser und den Kohlebergbau schloss Deutschland zur Zeit der Militärdiktatur von Park Chung-hee einen Anwerbevertrag mit Südkorea, der von 1963 bis 1977 rund 20.000 Arbeitsemigranten anlockte, darunter auch viele arbeitslose Akademiker. Meinem Vater blieb nach dem Tod seines Vaters im Krieg ein Studium aus Geldmangel verwehrt. So folgte er nach seinem Ausscheiden aus der Armee dem Aufruf zur Arbeit im Bergbau nach Deutschland. Der Vater meiner Mutter wurde im Krieg von den Nordkoreanern, die den Süden seiner Intelligenz berauben wollten, auf Nimmerwiedersehen deportiert. Und so führte das konfuzianische Verantwortungsgefühl zur Unterstützung der Familie meine Mutter als Krankenschwester nach Deutschland, wo sie dann meinen Vater kennenlernte.
Pflegen Sie selbst eigentlich Verbindungen ins Heimatland Ihrer Eltern?
Seit 2002 fliege ich regelmäßig dort hin, wo der Rest der Familie lebt. Irgendwie brauche ich die Hektik, den Lärm und den Smog Seouls, um meine Batterien wieder aufzuladen. Nach meiner Zeit als Profisportler habe ich sogar ein Jahr lang dort gelebt. Ich war Visiting Fellow im koreanischen Parlament und habe im Gesundheitsministerium gearbeitet. Und die Freundschaften von damals müssen gepflegt werden.
Haben Asiaten wie die Koreaner hierzulande unter speziellen Ressentiments zu leiden, und haben Sie persönlich schon schlechte Erfahrungen machen müssen?
Bis auf die gängigen Stereotypen kaum. Abgesehen davon, dass bei Bewerbungen für öffentliche Ämter schon mal meine Loyalität zu Deutschland infrage gestellt und mögliche Interessenkonflikte thematisiert wurden. Ich spiele dabei auf meine Vorstellungsgespräche für einen UN-Posten für Sport und Entwicklung und für den Deutschen Olympischen Sportbund an. Aber Erfahrungen wie in Rostock, wo unter Beifall ein vietnamesisches Flüchtlingsheim niedergebrannt wurde, blieben mir erspart. Dennoch arbeiten vor allem hoch qualifizierte Deutsch-Koreaner hierzulande nicht umsonst entweder für koreanische Unternehmen oder wandern nach Korea aus. Sie haben gar keine andere Wahl.
Was hat Sie eigentlich dazu bewogen, Ihr Buch zu schreiben?
Ich wollte in erster Linie den Deutsch-Koreanern die ihnen gebührende Aufmerksamkeit verschaffen. Bezeichnenderweise war erst Druck nötig, damit auch Koreaner zur Teilnahme am dritten Integrationsgipfel eingeladen wurden, nachdem man sie zuvor zweimal schlicht vergessen hatte. Ansonsten wollte ich zeigen, dass Integration Aufopferungsbereitschaft erfordert und dass es auch Deutsch-Koreaner gibt, die in diesem Land Verantwortung übernehmen und mitgestalten wollen. Zurzeit arbeite ich übrigens an meinem zweiten Buch. Es soll den bezeichnenden Titel Machtlos – ja, Wahllos – nein tragen.
Roland Detsch stellte die Fragen. Er arbeitet als freier Redakteur, Journalist und Autor in Landshut und München.
Copyright: Goethe-Institut e. V., Online-Redaktion
September 2009
Quelle: http://www.goethe.de/ges/pok/thm/mui/de5045380.htm
Thursday, September 24, 2009
Bundestagswahl 2009 - Deutsche mit Migrationshintergrund sind dabei


Aufgrund des demographischen Wandels im 21. Jahrhundert steigt der Anteil von Menschen mit Zuwanderungsgeschichte in Deutschland stetig. Heute haben etwa 20 Prozent der Bevölkerung einen so genannten Migrationshintergrund. Es ist deshalb wichtig, diesen Menschen ein Gefühl der Zugehörigkeit zu vermitteln und gleichzeitig an sie zu appellieren, das demokratische Wahlrecht wahrzunehmen. Bei den kommenden Bundestagswahlen am 27. September werden auch Menschen mit Zuwanderungsgeschichte, die eine deutsche Staatsbürgerschaft haben und somit wahlberechtigt sind teilnehmen. Laut einem kürzlich erschienenen Artikel des Tagesspiegel („Fremde Stimmen“ von Ferda Ataman, 03.09.2009) beträgt die Zahl der Deutschen mit einem Migrationshintergrund mittlerweile acht Millionen und nimmt weiter zu.
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